Shakespeares Sommernachtstraum am HPG – oder die Verzauberung im Kellerraum

„Gut gebrüllt, Löwe!“ (Ein Sommernachtstraum)

Wer sich ein wenig verzaubern lassen wollte, war am Freitag- und Sonntagabend im Theaterkeller des Hans Purrmann-Gymnasiums am richtigen Ort. Mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ spielten die Mitglieder der Theatergruppe in einem durch die schönen Kulissen phantasieanregenden Spielfeld einen Shakespeare, der durch die vereinfachte Sprache ohne jedes Problem unmittelbar und wunderbar verständlich war. Man konnte es den jungen SchauspielerInnen ansehen, dass, trotz möglicher Premierenaufregungen am Freitag, das Spiel von Ihnen mit Shakespeare und das Spiel von Shakespeare mit ihnen allen Beteiligten viel Freude machte.

Nicht nur die Zuschauer konnten in die lustig-humorvollen und hintergründigen Vorgänge auf der Bühne durch eine blaue magische Blume verzaubert werden; auch die anwesenden Eltern und LehrerInnen sahen ihre Kinder und Schülerinnen in erstaunlichen Verwandlungen.

Es hat Spaß gemacht, den auf eine Stunde verdichteten oder zusammen gedichteten „Sommernachtstraum“ mitträumen zu dürfen. Wie das Stück es anstrebt: es wurde viel im Publikum gelacht. Es war ein schönes Erlebnis, dass der in der abgelegenen dunklen Tiefe der Schule liegende Theater-Keller-Raum für diese Stunde im magischen Licht – durch Wälder, Feen, Menschen, Handwerker, Löwen, gelochte Wände, Königinnen und Könige und die zwischen ihnen sich abspielenden Ereignisse – im Zauberlicht amüsierend-unterhaltend aufleuchten konnte. Wer sich für Liebe und ihre Wege, Irrwege und zuweilen chaotischen Verwirrungen interessiert, sollte sich Shakespeare ansehen. Wer achtsam sein möchte, gegen Wesen, die mit nicht immer für jeden sichtbaren blauen Liebes-Blumen durch die Welt streifen, und deren Säfte bewusstseinsverdrehend in die Augen Schlafender tröpfeln, sollte sich auf keinen Fall Shakespeare entgehen lassen.

Wer glauben kann oder glauben will, dass die Welt mehr und geheimnisvoller ist, als was wir von ihr zu sehen und mit dem Verstand zu denken vermögen, sollte sich Shakespeare zuwenden. Denn einmal angenommen, der große Seelenkenner und Dramatiker Shakespeare hätte Recht: „Wir sind aus solchem Stoff, wie Träume sind; und unser kleines Leben ist von Schlaf umgeben.“  Die HPG-Theater-Truppe hat für begrenzte Zeit die Ebenen von Traum und Realität, von verschiedenen Welten in unserem Universum, ineinander vermischt. Und das macht auch den Reiz und Glanz der Inszenierung aus.

Wer das Stück Zauberkeller in diesem Herbst nicht miterleben konnte, kann ja auch, wie eine Schülerin nach dem Stück sagte, Shakespeare nun einmal selbst lesen. Die HPG-Theatergemeinschaft hat das erreicht. Ein Zeichen für ihren schönen Erfolg.

Rainer Feß

Verzaubert am Freitagabend